the vampires

20.02.2011 : Markus Heitz in der Erstausgabe

In elf Tagen ist es soweit. Dann erscheint The Vampires.
Für die Erstausgabe konnten wir Bestsellerautor Markus Heitz (“Judastöchter”) verpflichten, der exklusiv für uns die Kurzgeschichte “Sicher?” beigesteuert hat. Als kleines Appetithäppchen seht ihr hier den ersten Teil:

Kapitel I: Sicher?
by
Markus Heitz

Unvollständige Audiodatei, aufgezeichnet von einem Handy der Marke XXX/ Zeit: 18.11 Uhr MEZ/ Datum: 1. 1. 2011/ Ort: unbekannt/ Sprecher: männlich, unbekannt und weiblich, unbekannt

Mann (bemüht wissenschaftlich): „ … und um eine Sache vorweg klarzustellen: Ich mag Vampire. Ehrlich!“

Frau (amüsiert): „Sicher?“

Mann (bemühter wissenschaftlich): „Ähm … also … die meisten jedenfalls.“

Frau (amüsiert): „Das sind immer noch sehr viele, findest du nicht?“

Mann (bemüht ruhig): „Shit. Okay. Wenn ich es genau überlege, nur die Kreaturen voller Schönheit, voll dunkler Kraft, voller Magie, der sich kein Mann und keine Frau entziehen kann …“

Frau (lacht): „Du sollst keinen Imagekatalog entwerfen! Und du beleidigst damit die anderen. Die finden das bestimmt nicht witzig, wenn sie das eines Nachts zu lesen bekommen.“

Mann (ruhig und süffisant): „Aber die anderen braucht man auch. Ich zumindest. Und hör auf, mir in meine Memos zu quatschen!“

Frau (seufzt): „Das ist verwirrend, weißt du das?“

Mann (nachdenklich): „Mh. Du hast recht. Also: Damit mein scheinbar brutales Vorgehen richtig verstanden wird, sollte ich besser mit dem Tag beginnen, an dem alles seinen Anfang nahm. Oder besser gesagt: mit der Silvesternacht …“

… „Wie oft habe ich dir gesagt, dass du nichts in meiner Bar verloren hast?“ Theo sah auf Susanne runter, die es sich am Tisch neben dem Eingang gerade bequem machen wollte. Er hatte leise, aber bestimmt gesprochen; mit Block und Stift zwischen den Fingern sah es aus, als würde er eine Bestellung entgegennehmen. Unauffälligkeit war angesagt, die Gäste sollten nichts bemerken.
Sie sah ihn nicht einmal an, während sie die teure Strickjacke über den Stuhl hing. „Das ist nicht deine Bar. Du bist hier Kellner.“ Sie setzte sich und legte herausfordernd langsam ein Bein über das andere, was bedeutete Ich bleibe. „Rausschmeißen lasse ich mich nur von deinem Chef.“ Susanne, 32 Jahre, blond, gut gebaut und eine stadtbekannte Schlampe, lächelte überheblich und legte Schminke nach. „Ist er da?“
Theo kannte Susanne von einem Dutzend unerfreulicher Begegnungen im Retro. In der Szenekneipe verkehrten viele Prominente, Künstler und Paradiesvögel, zu denen sie sich auch zählte. Auch wenn Susanne sicherlich gut im Bett war und ihre Art zu ficken bestimmt an Kunst herankam, mochte Theo sie nicht. Sie schleppte zu viele gute Gäste ab, die sich danach nicht mehr ins Retro trauten. Weil sie Susanne nicht mehr sehen wollten. Aus Angst, aus Peinlichkeit, aus Scham. Aus was auch immer – fehlende Gäste bedeuteten fehlenden Umsatz.
„Du bist alleine hier, Sanne. Kein Promi, der dich reingeschleust hat.“ Er wies mit dem Stift und einem Lächeln auf den Ausgang. „Verpiss dich.“
„Das schwarzweiße Outfit und die Schürze stehen dir. Ich finde dich sexy, Theo, aber du bist ein Arschloch. Und mit Arschlöchern gehe ich nicht ins Bett.“ Susanne deutete wiederum auf den Tresen. „Dein Chef ist also nicht da. Wie schön! Eine Bloody Mary, kleiner Pinguin.“ Sie verstaute den Lidschatten, nahm eine Kippenschachtel hervor und zog mit spitzen Fingern eine Zigarette heraus. „Jemand hier, den ich kenne?“
„Die zwei Ärzte für Geschlechtskrankheiten sind eben raus.“ Theo langte in die Tasche und holte das Feuerzeug heraus.
Susanne lächelte und beugte sich erwartungsvoll nach vorne. „Sehr freundlich.“
Er rammte ihr den Stift von unten am Kinn vorbei in die Mundhöhle und zog sie damit vom Stuhl hoch. „Rauchverbot“, zischte er ihr zu und schob sie zur Tür hinaus; dabei tat er so, als würde er mit ihr nach draußen gehen, um ihr dort Feuer zu geben. Susanne war zu überrumpelt, um sich zu wehren. Sie öffnete den Mund, aber der Stift hielt die Zunge mit fest, Blut rann aus ihrem Mundwinkel und tropfte auf ihre weiße Bluse.
Schnell verschwand er mit ihr um die Ecke, weg von der großen Scheibenfront des Retro. Theo stieß sie zurück, sah auf seinen blutigen Stift. „Shit. Hoffentlich schreibt der noch“, murmelte er.
Susanne langte sich an die Kehle, röchelte und hustete, rote Tröpfchen sprühten auf den hellen Stoff. „Bekloppt?“, rief sie undeutlich und hielt ihm die verschmierte Hand hin. Die Fingernägel wuchsen, wurden spitz und sahen scharf aus. Mit einem schrillen Schrei warf sie sich gegen ihn, lange Fangzähne erschienen hinter ihren vollen Lippen.
Theo senkte den Kopf und hob die Arme zur Abwehr, winkelte das rechte Bein zu einem Kick an. „Ich trete dir in die Fresse, Sanne“, warnte er laut. „Mir egal, wie dein Make-up …“ Es knallte hinter ihm dreimal laut, sodass er unwillkürlich zusammenzuckte; sein linkes Ohr fiepte augenblicklich.
Susannes Brust bekam zwei blutige Löcher, ein drittes öffnete sich in der Stirn. Ihr Kopf schnappte nach hinten, sie brach in der Bewegung zusammen, als sei sie ein Roboter, dem die Batterien schlagartig entleert worden waren. Vor Theos Schuhspitzen blieb sie in einer Schneewasserpfütze liegen.
„Na? Waren das drei geile Treffer oder was?“ Theo wandte sich um und sah Leonore. Sie hielt eine großkalibrige Halbautomatik auf Susanne gerichtet. „Die wird soooo sauer sein, wenn sie wach wird“, gluckste sie. „Dumme Schlampe. Das musste einfach mal sein.“
Er starrte Leonore an und hielt sich das fiepende Ohr. „Wenn das einer gehört hat!?“ Er schüttelte den Kopf. „Und wenn ICH nichts mehr höre?“
Die schwarzhaarige Frau, die ungefähr das gleiche Alter wie Sanne und er hatte, steckte die Pistole ein, zog zwei Böller aus der Tasche …

4 Kommentare zu “Markus Heitz in der Erstausgabe”

  • On 03.03.11 at 23:24 Mareike said:

    ^^ Erste!
    Ich habe eben die Story im Heft gelesen. Wirklich toll!!! Schade das die Fortsetzung erst im Juni kommt, ihr bringt die doch im nächsten Heft, ja?

  • Verzwergt…

    Ich bin ja durchaus offen, was meine Literatur betrifft. Leider falle ich damit immer wieder auf die Nase. So auch hier. Ich hatte mir ein Hörbuch ausgeliehen. Ich hatte früher zusammen mit meiner……

  • On 08.03.11 at 00:18 Redaktion said:

    Hi Mareike,

    ja, die Fortsetzung folgt in der nächsten The Vampires.

  • On 28.03.11 at 19:06 Cim said:

    Hi,
    diese Story ist einfach cool und ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe!!!

  • Kommentar schreiben